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Editorial Service Ausgabe 06: Reis - Nahrung für die Welt
Donnerstag, 19. Februar 2009
Bayer CropScience Editorial Service - Ausgabe 6
Reis - Nahrung für die Welt
Weltweit gibt es etwa 120.000 Reissorten
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Weltweit gibt es etwa 120.000 Reissorten
Für die Hälfte der Weltbevölkerung ist Reis das Nahrungsmittel Nummer eins. Manche asiatischen Sprachen nutzen das Wort für „Essen“ sogar gleichbedeutend mit „Reis essen“. In den westlichen Kulturen dagegen gelten die länglichen Körnchen meist als Beilage. Zu unrecht, denn: Naturreis enthält wertvolle Kohlenhydrate, lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe. Doch das gefragte Korn steckt in einer Krise: Klimawandel und Schädlinge machen Reispflanzen das Leben schwer. Und eine wachsende Weltbevölkerung braucht immer größere Mengen des hochwertigen Nahrungsmittels.
Ernährung & Gesundheit:
Körnchen für gute Gesundheit
Reis ist ein echter Gesundmacher: Besonders ungeschälter Naturreis versorgt den Körper mit lebenswichtigen Stoffen. Ein Beispiel: das Vitamin B1. Es sorgt dafür, dass unser Stoffwechsel Energie aus der Nahrung gewinnen kann und stärkt die Nerven. Reis enthält auch jede Menge Vitamin B6, das zur Blutbildung gebraucht wird. In den länglichen Körnchen steckt zudem Biotin, ebenfalls ein Vitamin, das unsere Haare gesund hält und für feste Nägel sorgt. Außerdem sind die Körner reich an Mineralstoffen wie Kalium und Zink. Sie verhelfen nicht nur zu einem gesunden Blutdruck, sondern stärken auch unser Immunsystem. Und die im Reis enthaltenen Proteine sind besonders hochwertig, da sie sämtliche essentiellen, also lebensnotwendigen, Aminosäuren enthalten.
Reis ist zudem kalorienarm und hat einen sehr geringen Fettanteil. Und die Kohlenhydrate der Körnchen haben einen enormen Vorteil: Weil unser Organismus sie nicht so schnell verarbeiten kann, bleibt man länger satt. Mit seinen Ballaststoffen fördert Naturreis auch die Verdauung. Für kranke Menschen ist das Getreide ebenfalls empfehlenswert, weil es nicht schwer im Magen liegt. Außerdem wirkt Reis entwässernd und hilft dem Körper, Giftstoffe über die Nieren auszuschwemmen. Besonderer Vorteil: Die im Reis enthaltenen Protease-Inhibitoren sollen sogar Krebs vorbeugen.
Körnige Vielfalt
Weltweit gibt es etwa 120.000 Reissorten. Grob unterscheidet man zwischen dem kürzeren Rundkorn- oder Milchreis und dem längeren Langkorn- oder auch Patnareis. Besonders gesund ist der etwas bräunlich gefärbte Naturreis, denn ihn umhüllt noch das so genannte Silberhäutchen. Diese feine Schicht beinhaltet einen Großteil der Vitamine und Mineralstoffe. Bei der beliebtesten Variante, dem weißen Reis, wurde die Haut jedoch durch eine spezielle Politurbehandlung entfernt und damit auch die so wichtigen Inhaltsstoffe. Ernährt man sich ausschließlich von diesem polierten Reis, droht die Vitamin B1-Mangelerkrankung Beriberi, die zu Nervenlähmungen und Herz-Kreislaufstörungen führen kann.
Seit Anfang der 1940er Jahre wendet man auch das Parboiled-Verfahren an. Es hilft, die wertvollen Inhaltsstoffe auch im weißen Korn einzuschließen.
Wirtschaft:
Dem Reis aus der Krise helfen
Die kleinen Körnchen sind das wichtigste Getreide der Erde: Rund 600 Millionen Tonnen Reis werden jedes Jahr weltweit geerntet. Dennoch kann die Reisproduktion bereits heute kaum mit dem Konsum mithalten – geschweige denn mit der rasant wachsenden Bevölkerung. Seit Mitte der 1990er Jahre liegt die Reisernte in Asien bei etwa vier Tonnen Reis pro Hektar – zu wenig für zu viele Menschen, denn: Um die Welternährung bis zum Jahr 2020 zu sichern, müssten jährlich über 780 Millionen Tonnen Reis produziert werden – rund 30 Prozent mehr als heute.
Seit dem Jahr 2000 wird weltweit mehr Reis konsumiert als produziert. Auch wenn die Vorratsbestände 2007 wieder aufgebaut werden konnten, ist mittel- bis langfristig damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach Reis die Versorgung erneut übersteigen wird, was zu einem dramatischen Anstieg der Lebensmittelpreise führen könnte.
Bereits in den 1970er Jahren kam es zu einer weltweiten Nahrungsmittelkrise. Aus diesem Grund errichtete man damals das International Rice Research Institute (IRRI) auf den Philippinen, züchtete neue Hochleistungssorten und verbesserte die Anbaumethoden. Die Folge: Rekordernten wurden verzeichnet. Heute gilt es an diese erste „Grüne Revolution“ anzuknüpfen.
Mehr Engagement für robustes Saatgut
Das IRRI erkannte das heutige Reisproblem bereits vor mehr als zehn Jahren. Obwohl sich die internationale Gemeinschaft nach der ersten Welternährungskrise vornahm, mehr für die Landwirtschaft zu tun, relativierte sich das Engagement nach dem Rückgang der Preise: „Die internationale Agrarforschung ist über Jahre vernachlässigt worden“, kritisiert der ehemalige OECD-Direktor für Landwirtschaft Prof. Dr. Stefan Tangermann. „Jetzt wundert man sich, dass die Agrarwirtschaft nicht hinterherkommt, den Hunger der Bevölkerung zu stillen.“ Angesichts der kaum auszudehnenden Anbauflächen liegen die Herausforderungen in höheren Erträgen je Flächeneinheit und der Entwicklung von Sorten, die robuster gegenüber klimatischen Einflüssen sind.
„Die Anbaumethoden müssen sich verbessern, so könnte der Ertrag pro Hektar in den meisten Regionen um bis zu drei Tonnen gesteigert werden“, erklärt Dr. Achim Dobermann, Direktor am IRRI. Wichtig sei auch ein effizientes Wassermanagement. Denn: Reis ist die durstigste Nutzpflanze überhaupt. Für ein Kilogramm Reis werden rund 5.000 Liter Wasser benötigt. Weizen ist vergleichsweise genügsam und verbraucht für die gleiche Menge etwa 1.200 Liter. Die Auswirkungen sind bedrohlich, denn der Grundwasserspiegel sinkt in Indien jedes Jahr um anderthalb Meter.
„Vor allem ist vernünftiges Saatgut gefragt, das resistent gegen Krankheiten und Schädlinge ist“, sagt Dobermann, „Auch bei Transport und Lagerung gehen weltweit im Schnitt 15 bis 20 Prozent der Ernte verloren.“
Forschung & Entwicklung:
Die Sicherung der Welternährung ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.
Wir werden immer mehr: Schätzungsweise leben im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde. Um deren Ernährung zu sichern, müsste sich die Agrarproduktion bis dahin verdoppeln, schätzt die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen. Sie fordert deswegen „die internationale Gemeinschaft, einschließlich der Privatwirtschaft, dringend dazu auf, die Investitionen in Forschung und Technologie auf dem Gebiet der Ernährung und Landwirtschaft deutlich zu erhöhen.“ So heißt es im Abschlussbericht der Konferenz über Nahrungsmittelsicherheit, Biokraftstoffe und Klimawandel im Juni 2008.
„Zur Belebung des Angebots muss mehr getan werden, um die Produktivität in der Landwirtschaft zu steigern“, sagt Prof. Dr. Stefan Tangermann. „Vor allem durch mehr Forschung und Entwicklung, und mehr Gelassenheit gegenüber den Möglichkeiten der modernen Biotechnologie.“ Züchtungsforschung und Molekularbiologie müssen deshalb vorangetrieben werden. Um die Entwicklung verbesserter Reissorten zu fördern, haben sich Unternehmen wie die Bayer CropScience AG und öffentliche Einrichtungen wie das International Rice Research Institute zusammengeschlossen. Das daraus entstandene Hybrid Rice Research and Development Consortium (HRDC) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Reisproduktion in Asien zu steigern und neue Sorten einzuführen.
Resistent gegen Überflutung
Mithilfe moderner Züchtungsmethoden sind Wissenschaftler in der Lage, nützliche Gene von einer Reissorte auf eine andere zu übertragen. „Wir haben beispielsweise ein Gen gefunden, das Reis überflutungsresistent macht. Das ist wichtig für Küstengebiete, die immer wieder überschwemmt werden“, sagt Dr. Achim Dobermann, Direktor am IRRI. Zwar gedeihen viele Reissorten prächtig auf gefluteten Feldern und Reisterrassen. Setzt man sie jedoch komplett unter Wasser, überleben sie nur wenige Tage. Solche Naturkatastrophen bedrohen aber heute bereits ein Viertel der Reisanbauflächen. Schuld daran ist vor allem der Klimawandel.
Die neue Reispflanze kann zwei Wochen lang vollständig untergetaucht überleben. Steht sie unter Wasser, aktiviert sich ein Gen. Das Ergebnis: Die Zellen bilden Proteine, die den Stoffwechsel der Pflanze an sauerstoffarme Bedingungen anpassen, wie sie unter Wasser herrschen. Jetzt arbeiten die Forscher mit Genen für eine Salzresistenz und eine Toleranz gegen längere Trockenperioden.
Die richtigen Gene identifizieren
Auch Bayer CropScience entwickelt neues Saatgut für Hochleistungsreis. Die Hybride Arize® dhani beispielsweise besitzt eine erhöhte Resistenz gegen den so genannten Bakterienbrand: Eine der weltweit gefährlichsten Bedrohungen für die Reispflanzen, die erhebliche Ernteausfälle verursachen kann. Auslöser ist das Bakterium Xanthomonas oryzae.
Eine Hybride entsteht durch die Kreuzung zweier genetisch verschiedener Elternzuchtlinien. Für die Züchtung von Hybridreis brauchen die Forscher Elternpflanzen mit einem bestimmten Eigenschaftsprofil. Sie unterbinden die normale Selbstbestäubung der Reispflanzen und übertragen den Pollen ganz gezielt von der einen zur anderen Pflanze. Wenn die passenden Elternpflanzen kombiniert werden, entstehen Reishybride, die vitaler und ertragsreicher sind als ihre jeweiligen Elternlinien. Darüber hinaus zeigen sich Hybride robuster unter widrigen Anbaubedingungen, insbesondere bei Bodenqualität und Klima, als auch widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen und anderen biotischen Stressfaktoren.
Bewährt hat sich Hybridreis bereits in China. Dort konnten auf einer Fläche von 30 Millionen Hektar 184 Millionen Tonnen Reis geerntet werden. Um die weltweite Reisproduktion mit Hochertragsreis noch weiter anzukurbeln, hat Bayer CropScience im Sommer 2008 in Singapur ein neues Forschungslabor eröffnet. Dort steht die Züchtung von Reissorten mit besonders hohen Erträgen und speziellen Zusatzeigenschaften im Mittelpunkt.
Weitere Informationen zum Thema Reis Eine kurze Geschichte des Reis | |||
Links für Ihre weiteren Recherchen:
Der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter bietet Erklärungen zu
Kreuzung und Auslese, Hybridzüchtung oder Smart Breeding.
http://www.bdp-online.de/de/Pflanzenzuechtung/Methoden/
Unter dem Begriff “Pflanze” finden sich auf den Seiten des Informationszentrums für die Landwirtschaft beispielsweise Informationen über Anbaustatistiken und Biologie des Reises sowie schädigende Krankheitserreger.
http://www.proplanta.de
Die Seiten der Rice Knowledge Bank des International Rice Research Institute (IRRI) liefern umfangreiche Informationen über Reis – von der Saat bis zum Markt.
http://www.knowledgebank.irri.org/rice.htm
Anlässlich des Internationalen Jahr des Reises 2004 bietet die FAO Wissenswertes zum Reis und seiner Bedeutung für unsere Ernährung.
http://www.fao.org/rice2004/en/aboutrice.htm
Die Publikation des International Food Policy Research Institute (IFPRI) beleuchtet die Ernährungs- und Finanzkrise und deren Folgen für die arme Bevölkerung.
http://beta.irri.org/solutions/images/publications/papers/ifpri_food_financial_crisis_dec2008.pdf
Das Magazin Rice Today des IRRI (International Rice Research Institute) beschäftigt sich mit der weltweiten Reisforschung, der Ernährungssituation und Umweltschutz.
http://beta.irri.org/news/images/stories/ricetoday/8-1/RT_8-1_complete.pdf



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