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Dienstag, 5. Juli 2011

Theorie praktisch umsetzen

Wissenschaftlerin mit Gespür für den Markt
Seit über einem Vierteljahrhundert verwandelt Dr. Marie-Pascal Latorse in La Dargoire (Lyon) wissenschaftliche Theorie in praktische Lösungen für die Bauern. Die Bilanz der Fungizidforscherin lässt sich sehen: So hat sie unter anderem zum Markterfolg von Fenomen® und Fluopicolide einen wichtigen Beitrag geleistet.

Marie-Pascale Latorse: Ihr Metier ist die theoretische Basis der praktischen Lösungen für die Landwirtschaft.
Dr. Latorse ist zwar eine Wissenschaftlerin wie sie im Buche steht, aber im Elfenbeinturm sitzt sie deswegen nicht. Ihre Leidenschaft für Pflanzenkrankheiten ist ganz und gar praxis- und ergebnisorientiert: „Wissenschaft ist für mich dazu da, die Bedürfnisse der Landwirtschaft zu erfüllen und die Wirksamkeit unserer Produkte zu erhalten“, sagt Latorse. Dieses Selbstverständnis ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit als Laborleiterin und Expertin für Phytopathologie, Biologie und Fungizide. Denn Latorse und ihr Team prüfen neue Substanzen auf ihr Resistenzrisiko gegenüber Pilzen und überwachen im Rahmen des Life-Cycle-Management auch all jene Produkte, die bereits auf dem Markt sind (s. Kasten).

Die Liebe zu Pflanzen entdeckte Latorse schon während ihrer Kindheit in Südwest-Frankreich. Entscheidend für ihre Berufswahl war es, während des Studiums und zu Beginn ihrer Laufbahn Forschern zu begegnen, die ihre Arbeit liebten. „Ihre Demut gegenüber der Natur und ihr Enthusiasmus für ihre Aufgabe haben mich tief geprägt“, so Latorse.

Sensitivitätsmonitoring: Die Aufgabe von Marie-Pascale Latorse, Magali Oudin und Virginie Mercier (v. l.) ist es, Fungizidresistenzen zu minimieren.
Nach ihrer Promotion in Pflanzenbiologie an Frankreichs renommiertem landwirtschaftlichem Forschungsinstitut INRA erwarb Dr. Latorse an der King’s Garden School in Versailles ein Agronomiediplom. Ihr Interesse an Wissenschaft UND den praktischen Bedürfnissen der Pflanze im Feld brachte sie 1985 zum damaligen Rhône Poulenc-Forschungsstandort La Dargoire. Nach ihrem Praktikum wurde sie sofort übernommen: „Der Abteilungsleiter sagte damals, meine Kombination aus Forschung und Agronomie sei genau das, was das Unternehmen braucht“, erinnert sie sich.

Bis heute ist Latorse in La Dargoire geblieben. Aber ebenso wie die Organismen, die sie untersucht, hat sie sich immer weiterentwickelt und ist mit ihren neuen Positionen gewachsen. Als Projektleiterin Reisfungizide verbrachte sie mehrere Monate auf den Reisfeldern in Japan. „Das war ein Kulturschock“, sagt sie. „Mir wurde plötzlich klar, dass Franzosen und Japaner eine völlig andere Herangehensweise haben. Aber es war eine sehr positive Erfahrung. Wir mussten die Grundlagen neu definieren, um Zielklarheit zu gewinnen. Das versuche ich auch heute mit meinem Team praktisch zu leben, denn dadurch vermeiden wir Missverständnisse und konzentrieren uns auf diese Ziele.“

Teamarbeit: Marie-Pascale Latorse (links) im Gespräch mit ihrer Mitarbeiterin„Laury Chatain.
Besonders stolz ist Latorse auf die Registrierungen für Fenomen® und den Wirkstoff Fluopicolide, beides Fungizide gegen Kraut- und Knollenfäule bei Kartoffeln und gegen Krankheiten wie Falscher Mehltau bei diversen anderen Kulturen. Von 1996 bis 2001 war sie maßgeblich daran beteiligt, die biologischen Grundlagen für den Wirkmechanismus dieser Innovationen zu entwickeln. Seitdem konzentriert sie sich auf Mehltauerkrankungen bei Kartoffeln und Weinstöcken. Forscherkollegen ebenso wie Landwirte wissen dabei ihre Fachkenntnisse zu schätzen. So ist sie Mitglied des Bayer-Expertenclubs und der „Madame-Bintje-Vereinigung“, die sich der gleichnamigen, äußerst beliebten europäischen Kartoffel verschrieben hat.


In der Nebelkammer: Magali Oudin and Marie-Pascale Latorse (v. l.) prüfen befallene Weinblätter auf resistente Pilze.

Durch ihre Arbeit ist sie aber auch zur Weinkennerin geworden. Lyon grenzt an zwei der bekanntesten Weinregionen Frankreichs, und der Kontakt mit den Kunden und den Bayer CropScience-Teams im Feld hat sie geprägt: In ihrem Weinkeller lagern über 800 Flaschen, und die Verkostung internationaler Weine gehört zu ihren Hobbys – neben Gartenarbeit und dem Stöbern nach Antiquitäten. „Ich habe unglaublich viel gelernt von den passionierten Winzern, denen ich über die Jahre begegnet bin. Im Restaurant bin ich deshalb immer diejenige, die aufgefordert wird, den Wein zu probieren.“ Auf eins kann man sich bei ihr verlassen: Bei ihr wird Theorie immer auch praktisch umgesetzt.

Resistenzen erfolgreich bekämpfen

Da alle Pilze mutieren können, sind sie auch in der Lage, Resistenzen zu entwickeln. Aus diesem Grund untersucht das Team um Marie-Pascale Latorse das Resistenzrisiko an Tausenden von Pilzstämmen. „Wenn ein interessanter Wirkstoff identifiziert wurde, nehmen wir im Feld Pilzproben und prüfen ihre Reaktion auf die neue Substanz“, erläutert Latorse. „Wir benötigen ein breites Probenspektrum, um eine verlässliche Aussage über die reale Resistenzwahrscheinlichkeit machen zu können.“


Resistente Pilze können die Effizienz und damit auch die Rentabilität eines Pflanzenschutzmittels erheblich beeinträchtigen.

Bevor das Produkt auf den Markt kommt, erfasst das Team außerdem die Reaktion der Pilzstämme bei unterschiedlichen Dosierungen und ermittelt so die Sensitivitätsgrenze der verschiedenen Pathogen-Populationen. Die Daten sind dann Bestandteil des Registrierungsdossiers. Aber ihre Arbeit endet nicht mit der Zulassung: Pilzmutationen können jederzeit stattfinden, und das Team prüft und bewertet den Resistenzstatus im gesamten Lebenszyklus eines Produktes. Wird eine Resistenz erkannt, werden Lösungen zum Resistenzmanagement zusammengestellt, darunter regional abgestimmte Behandlungspläne.
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